Transkarpatien Aktuell

02.01.2023

Hier schreibt unser Mitarbeiter aus Uschgorod, Alexander Chabanov, über aktuelle Ereignisse in der Region Transkarpatien. In dieser Ausgabe beschreibt er das ukrainische Weihnachtsfest unter Kriegsbedingungen. Besonders widmet er sich hierbei dem Weihnachtssymbol schlechthin, dem Tannenbaum und dem Symbol des diesjährigen Kriegswinters, den allgegenwärtigen Generatoren.

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Ukrainische Weihnachtssymbole 2022

Es verging der 304. Tag des neunjährigen russisch-ukrainischen Krieges, der schon seit mehreren Jahrhunderten dauert.

Ich ging durch Uschhorod, begleitet vom Generatorenlärm. Sie lauern auf dich vor jeder Vitrine und folgen dir mit ihren lästigen Geräuschen durch die Stadt. Eine einst ruhige kleine Stadt mit fröhlichen Straßenkünstlern wurde zu einem unruhigen Bienenstock. Nur statt Bienen leisten hier zahlreiche Generatoren ihren Job, die längst schon zum Stadtbild jedes ukrainischen Ortes gehören. Selbst der Tannenbaum in Uschhorod ernährt sich von einem Benzingenerator, der nur ein paar Stunden pro Tag im Einsatz ist. Den leuchtenden Tannenbaum zu sehen ist also in diesem Jahr eine Glückssache.

Tannenbaum in Uschgorod
Tannenbaum in Uschgorod

Aber nicht jede Stadt hat so viel Glück. Der Tannenbaum in Mykolajiw bekam diesmal überhaupt keine Beleuchtung und besteht nur aus Tarnnetzen:

Mykolajiw

Der Grund dafür sind die Schutzmaßnahmen und die massiven Luft- und Raketenangriffe, die sogar in Hmelnyzkyj ihre Spur hinterließen. Der dortige Tannenbaum wurde auf den Rumpfresten einer russischen Rakete aufgebaut:

Hmelnyzkij

Für jeden Ukrainer symbolisiert der Tannenbaum fröhliche Winterfeste: Weihnachten und Silvester. Es ist ein Symbol der glücklichen Kindheit, als man unter dem Tannenbaum ein begehrtes Geschenk finden konnte. Deswegen gab es in jeder Stadt an dem zentralen Platz einen großen Tannenbaum. Da sammelten sich die Familien mit Kindern, unterhielten sich, feierten und beobachteten das Feuerwerk zum Silvester. Jetzt sind Feuerwerke untersagt und das Feiern ist zwar privat nicht verboten, aber wird verständlicher Weise auf der offiziellen Ebene nicht durchgeführt: Es gibt kein festliches Programm im Fernsehen, Konzerte auf den Hauptplätzen, feierliche Beleuchtung der Straßen. Hier kann man sehen, wie es zu „bösen“ alten Zeiten in Mariupol war:

Mariupol vor dem Krieg
Mariupol vor dem Krieg

Und so sieht es jetzt aus, nach der „Entnazifizierung der Stadt durch gute Russen“:

Mariupol jetzt

Ich ging durch die Stadt, begleitend vom Generatorenlärm und dachte nicht an die WM in Katar, die ich ohne etwas zu bereuen zum ersten Mal völlig verpasste und sogar nicht an Weihnachten, sondern daran, dass zu Hause noch ein leerer Kanister liegt, den ich noch bis zum Heiligen Abend tanken muss, um meinen Generator ernähren zu können.

art malon

Bilder:

1,2  Alexander Chabanov
3,4  https://life.pravda.com.ua/society/2022/12/20/251927/
5     korrespondent.net
6     kp.ru
7     @art.malon (Facebook)

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