Transkarpatien Aktuell

29.06.2022

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Hier schreibt unser Mitarbeiter aus Uschgorod, Alexander Chabanov, über aktuelle Ereignisse in der Region Transkarpatien: Diesmal über Valentin Stefanyo, Konditor und Chocolatier von internationalem Renommée und Schöpfer der "Uschgoroder Torte".

Valentin Stefanyo - Verkäufer des süßen Glücks

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Wissen Sie, dass an den Kühlschränken der Besucher von Uschhorod die Souvenir-Kühlschrankmagnete fehlen? Ohne Scherz jetzt. Na ja, ganz unbeachtet bleiben sie trotzdem nicht, weil unsere Touristen das Café V.&V. Stefanyo besuchen und mit mindestens einer Torte Uschhorod nach Hause kommen.

Seit mehr als 10 Jahren existiert die Uschhoroder Torte schon und wurde zur Visitenkarte der Stadt; währenddessen sind unsere Souvenirladenbesitzer Pleite gegangen (schon ein Witz) und die Zahl der Stadtbesucher ist rapide gestiegen (kein Witz).

Der Mann, der mit seiner süßen Erfindung so einen großen Einfluss auf das Image der Stadt hat, heißt Valentin Stefanyo und nicht umsonst nennt man ihn den Verkäufer des süßen Glücks. In seiner Konditorei findet man nicht nur Torten und zahlreiche Kuchen, dort kann man auch selbstgemachte Pralinen, Croissants und verschiedene Brote kaufen. Aber das war nicht schon immer so und deswegen präsentieren wir unseren Lesern heute ein Interview mit Valentin an. Zwar könnte man über ihn auch einfach einen informativen Artikel auf Wiki lesen, aber wen interessieren schon trockene Zahlen über hunderte Kuchen (natürlich ohne chemische Zusätze und gentechnisch veränderte Zutaten) und mehrere Auszeichnungen (darunter auch prestigeträchtige von internationalem Niveau)?

der Meister und Torte

TA: Wann ist Dir klar geworden, dass du Konditor und Chocolatier werden möchtest?

VS: Als Kind noch, als ein Freund meines Vaters einen Schokoriegel aus Amerika mitgebracht hat. Wir (Kinder der Sowjetunion, Red.) kannten das nicht. Ich erinnere mich noch ganz klar daran, wie ich den Geschmack genossen habe. Es war für mich ein Erlebnis und seitdem wusste ich, was ich beruflich machen würde.

TA: Warst schon immer eine Naschkatze?

VS: Eine richtige Naschkatze wahrscheinlich nicht. Aber eines Tages habe ich meinen Roller gegen einen Apfel umgetauscht. Meine Eltern haben damals im fernen Osten gewohnt und gearbeitet, weil man da zu der Sowjetzeit mehr verdienen konnte. Die Lebensbedingungen waren ganz schwierig: der Sommer nur einen Monat lang und kalt. Eines Tages als es noch relativ warm war, vielleicht zwölf Grad, bin ich mit meinem Roller in den Hof gegangen und aus dem Nachbarhaus ist ein Junge mit einem roten Apfel rausgegangen… Nach Hause bin ich schon ohne Roller zurückgekehrt.

(Lachen)

TA: Wie haben deine Eltern reagiert?

VS: Die Mutter hat nichts gesagt. An dem Tag hat sie alle Sachen zusammengepackt und wir sind nach Uschhorod zurückgefahren.

TA: Du hast eine lange berufliche Ausbildung hinter dir. Bei wem hast du dich für deinen beruflichen Weg zu bedanken?

VS: Eindeutig bei meiner Schwester Valentina und bei Paris. Meine Schwester wohnt in Frankreich und ist im Bereich Patisserie erfolgreich tätig. Bei ihr und mit ihr habe ich am meisten gelernt und Paris inspiriert mich immer noch.

TA: Deswegen stehen V&V in deiner Trade-Marke?

VS: Genau. (Lächeln)

TA: Sag mal, ist die Geschichte wahr, dass du für deine Frau ein Hochzeitskleid aus Puddingbrötchen zu eurer Hochzeit gemacht hat?

VS: Sogar zwei. Ich habe für Viktoria ein essbares Hochzeitskleid aus anderthalbtausend Puddingbrötchen "shu" und Schmuck aus Karamell angefertigt. Allein das Kleid hat 20 Kilo gewogen. Das erste Kleid ist nach dem ersten Anziehen auseinandergefallen. Es hatte einfach kein Gerüst. Beim zweiten Mal hab ich das berücksichtigt und hatte letztendlich Erfolg. Zwei Monate lange habe ich daran gearbeitet. Das Foto von unserer Hochzeit erschien später in „People“ und „Chicago sometimes“. (Lächeln)

Maitre et femme

TA: Du hast bestimmt viele Angebote aus dem Ausland bekommen.

VS: Ja, vor allem von meiner Schwester. Sie wollte, dass ich in Paris bleibe. Ich wollte aber meinen Fuß nur zu Hause in der Ukraine fassen. 

TA: Was war am schwierigsten in deinem Beruf, für dich als für Konditor.

VS: 2004 die Entscheidung zu treffen, ob ich in Paris bleibe oder in die Ukraine zurückkomme.

TA: Was ist dein Motto?

VS: Um Gewinner zu sein, muss man nicht immer gewinnen, es genügt alleine schon nie aufzugeben.

TA: Perfektes Ende für unser Interview. Ich bedanke mich bei dir!

VS: Ich hab´ zu danken.

In Wirklichkeit habe ich mich noch lange mit Valentin unterhalten aber es würde den Rahmen unserer Kolumne sprengen. Er ist nicht nur ein bekannter ukrainischer Chocolatier. Er bereitet als Trainer für Schokoladengestaltung und Degustation unsere ukrainischen Konditoren auf internationale Wettbewerbe vor, tritt da oft als Juri-Mitglied auf. Seit 2020 ist er als Abgeordneter des Stadtrates tätig. Seit dem 24. Februar 2022 unterstützt er aktiv die Binnenflüchtlinge, indem er für sie Brot bäckt und ins Eulennest liefert. Darüberhinaus  ist er Ritter des Maria-Theresien-Ordens. Aber im Rahmen unseres kleinen Interviews können wir darüber und von Vielem mehr nicht berichten. Am besten kommen Sie zu uns und probieren Sie selbst ein Stück von der berühmten Uschhoroder Torte. Der Geschmack sei edel, so Hartmut Koschyk. Und auf seine Meinung muss man hören. . :-)

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