Ausstellungseröffnung „Das deutsche Wolgagebiet. Eine unvollendete Fotogeschichte" in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Zusammenarbeit mit der Stiftung Verbundenheit

11.04.2019

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In der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund wurde die Fotoausstellung „Das deutsche Wolgagebiet. Eine unvollendete Fotogeschichte" in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Verband der deutschen Kultur, der Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland und der Moskauer Deutschen Zeitung von Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff eröffnet. An der Eröffnung nahmen auch die stv. Vorsitzende des Internationalen Verbandes der deutschen Kultur (IVDK) in Russland und Herausgeberin der Moskauer Deutschen Zeitung, Olga Martens, und seitens der Stiftung Verbundenheit Thomas Konhäuser teil.

Die Wanderausstellung, die bereits in Moskau, Saratow, Bayreuth, Wiesbaden und dem Bundesinnenministerium gezeigt wurde, zeigt historische Fotografien aus dem Leben der Wolgadeutschen. Die Fotos stammen aus deutschen und russischen Staatsarchiven. Teil der Ausstellung sind auch Fotografien aus den Reportagen der Moskauer Deutschen Zeitung.

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Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff gemeinsam mit Olga Martens

„Katharina die Große ist für uns das historische Bindeglied“, sagte Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff zur Ausstellungseröffnung. „Sie ging von Zerbst nach Russland und ihrem Ruf sind viele gefolgt.“ Ministerpräsident Haseloff: „In der Ausstellung kann man ein Stück deutscher, europäischer und Weltgeschichte erleben.“ Europa, so Haseloff, ende zwar geographisch am Ural, aber es gehe kulturell bis Wladiwostock.

Olga Martens erläuterte mit viel Feingefühl die Ausstellung, in der einzigartige historische Fotografien Einblicke in kulturelle Traditionen, in wirtschaftliche Entwicklungen und in das Alltagsleben im Wolgagebiet vermitteln. Dokumentiert werden u.a. die Hungersnot von 1921–1922, die Arbeit in der Landwirtschaft, der Aufbruch in die industrielle Moderne sowie viele weitere Facetten des Lebens in der deutschen autonomen Region.

Am 19. Oktober 1918 wurde das Autonome Gebiet der Wolgadeutschen gegründet. Ernst Reuter, der spätere Oberbürgermeister von Magdeburg und Erster Regierender Bürgermeister von West-Berlin, wurde 1918 Volkskommissar der Wolgadeutschen Republik und engagierte sich für den Erhalt der deutschen Sprache und Kultur. 1924 entstand die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen. Die Ausstellung endet mit einer Tafel in roter Tinte. Unterschrift Stalin, 1941: „Fortjagen muss man sie.“ Die deutsche Bevölkerung des Wolgagebietes wurde schließlich deportiert.

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Thomas Konhäuser von der Stiftung Verbundenheit und Projektleiter bei der Kulturstiftung der Deutschen Vertriebenen

Thomas Konhäuser von der Stiftung Verbundenheit und Projektleiter bei der Kulturstiftung der Deutschen Vertriebenen erinnerte in seinem Grußwort an „Traum und Trauma“ der Wolgadeutschen. „Nach über zwei Jahrhunderten, in denen die Russlanddeutschen an allen Bereichen der Gesellschaft teilhatten und das Hauptsiedlungsgebiet der Deutschen an der Wolga sogar zur „Autonomen Wolgadeutschen Sowjetrepublik“ erhoben wurde, änderte der deutsche Angriffskrieg auf die Sowjetunion alles: Hunderttausende Deutsche wurden vertrieben, kollektiv der Kollaboration mit Nazideutschland bezichtigt, entrechtet und schließlich unter hohen Opfern aus den europäischen Teilen der Sowjetunion nach Sibirien und in die zentralasiatischen Sowjetrepubliken deportiert. Unzählige Menschen sind während der Verschleppung und in den Arbeitslagern der Trudarmee gestorben. Aber auch viele der Überlebenden leiden bis heute unter dem Trauma der Deportation“, weshalb „schon aus diesem Grund das Thema nicht in Vergessenheit geraten darf", so Thomas Konhäuser.

Die Ausstellung schaffe zudem ein Bewusstsein für das reiche deutsche kulturelle Erbe im Osten Europas und führe gleichzeitig der Öffentlichkeit vor Augen, dass trotz der Deportationen und den Vertreibungen in Folge des Nationalsozialistischen Regimes und des 2. Weltkrieges die Geschichte der Deutschen im Osten Europas nicht einfach aufhört.

Neben den Heimatvertriebenen in Deutschland seien es die deutschen Minderheiten – die Heimatverbliebenen -, die nachhaltig dazu beitragen an das kulturelle Erbe im Osten Europas zu erinnern und gleichzeitig mit Leben erfüllen.

In diesem Zusammenhang dankte Thomas Konhäuser der Landesvertretung Sachsen Anhalt auch dafür, dass am Tag der Ausstellungseröffnung in der Landesvertretung unter seiner Projektleitung ein Workshop stattfinden konnte, wie die Kooperation der Kulturorganisationen der deutschen Heimatvertriebenen und wissenschaftlicher Einrichtungen mit den deutschen Minderheiten in Mittel- und Osteuropa und den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion gestärkt werden kann.

In ihrem Koalitionsvertrag bekennt sich die Bundesregierung dazu, die im Sinne des Kulturparagraphen 96 des Bundesvertriebenengesetzes tätigen Einrichtungen der Heimatvertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten als Träger des deutschen Kulturerbes des Ostens sowie im Geiste der europäischen Verständigung für die Zukunft zu ertüchtigen und die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen zu stärken. Zur Umsetzung dieser Vereinbarung erarbeitet die Kulturstiftung derzeit, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, unter meiner Projektleitung ein Konzept zur Stärkung der eigenständigen Kulturarbeit, die bereits seit Jahren von den Vertriebenenorganisationen gefordert wird.

Nach der Auftaktveranstaltung im Februar fand in der Landesvertretung ein erster Workshop zu genannten Thema statt. „Ich denke es hat große Symbolik, dass dieser Workshop heute ebenfalls in der Vertretung des Landes Sachsen-Anhalt beim Bund stattfinden konnte – spiegelt dieser Workshop doch trefflich den Titel der heutigen Ausstellung nicht nur im Hinblick auf die Wolgadeutschen sondern auch auf alle anderen deutschen Minderheiten im Osten Europas wider: Eine unvollendete Geschichte - Eine Geschichte, in der es noch viele Fotos hinzuzufügen gilt“, so Thomas Konhäuser.

Die Ausstellung läuft bis 24. April 2019. Wenn Sie die Ausstellung in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt besichtigen möchten, melden Sie sich bitte vorher bei Frau Christina Hinrichs an: christina.hinrichs@lv.stk.sachsen-anhalt.de. 

Einen Artikel auf dem Informationsportal der Russlanddeutschen finden Sie hier.

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