Die Geschichte und das gesellschaftliche Gefüge des deutsch-dänischen Grenzlandes sind untrennbar mit Persönlichkeiten verbunden, die durch Weitsicht, Beständigkeit und diplomatisches Geschick glänzen. Zu diesen herausragenden Akteuren gehört zweifellos Hinrich Jürgensen. Über einen Zeitraum von fast zwei Jahrzehnten stand er als Hauptvorsitzender an der Spitze des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) und fungierte in dieser Rolle nicht nur als oberster Interessenvertreter, sondern als wahres, leuchtendes Vorbild für die gesamte Volksgruppe. Sein Abschied aus diesem zeitintensiven und verantwortungsvollen Amt markiert das Ende einer Ära, die von tiefgreifender Modernisierung und gesellschaftlicher Anerkennung geprägt war.

Das Fundament des Erfolgs: Engagement auf Augenhöhe
Hinrich Jürgensen hat die Ausrichtung und das Selbstverständnis der deutschgesinnten Minderheit in Dänemark nachhaltig transformiert. Unter seiner Ägide entwickelte sich der BDN von einer traditionell verankerten Organisation zu einem modernen, zukunftsorientierten Akteur der Zivilgesellschaft. Jürgensen verstand sein Amt nie als rein repräsentativen Posten, sondern als operativen Fulltime-Job, den er oft selbst mit den umfassenden Pflichten eines Bürgermeisters verglich.
Ein wesentlicher Kernpunkt seines Erfolgs lag in der Fähigkeit, Gräben zu überwinden und tragfähige Verbindungen zu knüpfen. Durch seine besonnene, aber bestimmte Art gelang es ihm, das Vertrauen sowohl der dänischen Mehrheitsgesellschaft als auch der politischen Entscheidungsträger in Kopenhagen und Kiel zu festigen. Statt auf Konfrontation setzte Jürgensen stets auf den Dialog und das gemeinsame Fundament. Er etablierte die Minderheit als integralen, bereichernden Bestandteil der dänischen Identität, ohne dabei die kulturellen und sprachlichen Wurzeln der deutschsprachigen Nordschleswiger zu vernachlässigen.
Meilensteine und Errungenschaften
Die Liste der Meilensteine während Jürgensens Amtszeit ist lang und zeugt von praktischer Tatkraft und visionärem Denken. Ein herausragendes Beispiel für sein Engagement, das weit über den kulturellen Bereich hinausreichte und direkten Nutzen für die gesamte Bevölkerung der Grenzregion stiftete, war sein Einsatz für die Etablierung eines grenzüberschreitenden Rettungshelikopters. Dieses Projekt verdeutlicht exemplarisch Jürgensens Verständnis von Minderheitenpolitik: Sie soll trennende Grenzen im Alltag der Menschen unsichtbar machen.
Ebenso erfolgreich agierte er auf dem Parkett der Finanz- und Kulturpolitik. Die regelmäßige Aushandlung und langfristige Absicherung der Zuwendungsverträge mit dem Land Schleswig-Holstein sowie die Gewährleistung stabiler Rahmenbedingungen für das deutsche Schul- und Kindergartenwesen in Nordschleswig tragen seine Handschrift. Auch die Modernisierung der Kulturarbeit – wie etwa die Förderung des Deutschen Museums Nordschleswig in Sonderburg – wurde unter seiner Führung maßgeblich vorangetrieben.
Höchste Anerkennung von beiden Seiten der Grenze
Dass Jürgensens Lebenswerk von außergewöhnlicher Relevanz ist, spiegelt sich auch in den hochrangigen Auszeichnungen wider, die ihm zuteilwurden. Seine Verdienste wurden unter anderem durch das dänische Königshaus mit der Verleihung des Ritterkreuzes des Dannebrogordens gewürdigt – ein symbolträchtiger Moment, der die tiefe Wertschätzung der dänischen Krone für die deutsche Volksgruppe und ihren Anführer untermauert. Auch von deutscher Seite erfuhr er für seine Verdienste als Brückenbauer in Europa fortwährend höchste Anerkennung.
Ein bleibendes Vermächtnis
Wenn Hinrich Jürgensen die Führung des BDN übergibt, hinterlässt er eine exzellent aufgestellte, selbstbewusste und in der Region fest verankerte Minderheit. Sein Wirken hat gezeigt, dass Minderheitenpolitik im 21. Jahrhundert keine reine Brauchtumspflege sein muss, sondern ein dynamischer Motor für Regionalentwicklung, Völkerverständigung und gelebte Demokratie sein kann. Er bleibt ein Vorbild an Pflichtbewusstsein, Empathie und strategischem Weitblick, dessen Impulse der Region noch lange erhalten bleiben werden.
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