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Datum
27.1.2026
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Gedenkausstellung zum 80. Jahrestag der gewaltsamen Vertreibung

Die deutschsprachige Minderheit in Slowenien hat in Abstall/Apače eine Veranstaltung organisiert, wo der 80. Jahrestag der gewaltsamen Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung im heutigen Slowenien begangen wurde.

Zum Gedenken an Sonntag, den 13. Januar 1946, als die neuen Revolutionäre die deutschsprachigen Einwohner von Abstaller Feld gewaltsam vertrieben haben, fand in den Räumlichkeiten des Kulturvereins Abstaller Feld im Dr.-Matl-Haus eine Gedenkfeier statt. Im Anschluss wurde eine Ausstellung zum 80. Jahrestag der Zwangsvertreibung eröffnet, gefolgt von einem Gedenkgottesdienst in der nahegelegenen Kirche und anschließend ein Treffen alten Bekannter.

Am Sonntag, den 18. Januar dieses Jahres, versammelten sich trotz Kälte und Nebel alle, die der vor 80 Jahren zwangsweise vertriebenen deutschsprachigen Einwohner vom Abstaller Feld gedenken wollten, im Dr.-Matl-Haus in Abstall, in den Räumlichkeiten des Kulturvereins des Abstaller Feldes. Der große Veranstaltungsraum im Keller reichte für alle Teilnehmenden nicht aus.

Zu Beginn der Gedenkfeier hob der österreichische Botschafter in Slowenien, Dr. Konrad Bühler, einige Meilensteine ​​der Geschichte der „Abstaller Deutschen“ hervor:

- 1918/1919: der Zerfall der Monarchie und eine neueGrenze

- Zwischen den Kriegen: Nationalismus und Ethnisierung

- 1939: der 2. Weltkrieg und die Zeit des Nationalsozialismus mit der Germanisierung, gewaltsamen Unterdrückung und Verfolgung der slowenischsprachigen Bevölkerung

- 1945: das Ende des Krieges, das Abstall keinen Frieden brachte

- 13. Jänner 1946: Die gewaltsame Vertreibung der deutsch­sprachigen Bevölkerung des Abstaller Feldes

Die Vertreibung der sogenannten „Abstaller-Deutschen“, die eigentlich nie Deutsche, sondern bis 1918 Österreicher waren, gehört zu einem der dunkelsten Kapiteln unserer Geschichte. Wir sind heute zusammenge­kommen, um gemeinsam der Ereignisse vor 80 Jahren zu gedenken.

Österreich und Slowenien verbindet heute als Nachbarn eine enge und vertrauensvolle Partnerschaft. Gerade deshalb ist es wichtig, auch an die dunklen Kapitel unserer gemeinsamen Geschichte zu erinnern – offen, selbstkritisch und respektvoll.

Das gemeinsame Erinnern ist ein wichtiger Schritt zur Versöhnung, um eine Brücke zwischen Menschen über Grenzen hinweg zu bauen. Unsere gemeinsame Grenze haben wir im Jahr 2007, nach fast 88 Jahren, durch die Europäische Union überwunden. Heute trennt uns die Grenze entlang der Mur nicht, sondern sie verbindet uns,« sagte der österreichische Botschafter Dr. Bühler abschließend.

Der Bürgermeister der Gemeinde Apače/Abstall, Dr. Andrej Steyer, sagte in seiner Begrüßungsansprache: „Willkommen in Apače, dem Zentrum des Abstaller-Feldes, das im Einklang mit der Natur entlang der Mur lebt. Am 80. Jahrestag der Vertreibung der Bewohner des Abstaller-Feldes sind wir mit dem bitteren Nachgeschmack dieses ungerechten Ereignisses zusammengekommen. Ich bin lange nach dem Zweiten Weltkrieg geboren. Es fällt mir schwer, mir dieses Ereignis vorzustellen, aber ich werde es nie ganz verstehen. Lasst uns menschlich sein, lasst uns menschlich miteinander umgehen und die Vielfalt respektieren. Nur so können wir ein friedliches Zusammenleben gewährleisten und solche schrecklichen Taten verhindern“

Es folgte die Erzählung der vertriebenen Einwohnerin Waltraud Reich, die wie folgt begann: »Mein Name ist Waltraud Reich, geboren 1937 hier in Apače/Abstall. Meine Elter, Alois und Anna Reich, waren Besitzer des Kaufhauses Reich, welches  hier am heutigen Parkplatz  stand.  Dieses Haus in dem wir  uns jetzt befinden, war unser Nebengebäude und  gehörte ebenso meinen Eltern. Ich war knapp 9 Jahre alt als wir am 13. Januar 1946aus unserer Heimat  vertrieben wurden«.

Im Anschluss wurde eine Ausstellung eröffnet, die von der neuen Vereinsführung vorbereitet worden war. Der Verein möchte im Haus von Dr. Matl ein Dokumentationszentrum für das Abstaller Feld einrichten. Diese Ausstellung bildet somit den Beginn und einen Überblick über das tausendjährige Zusammenleben der Bewohner des Abstaller Feldes in verschiedenen Staatsformen, mit dem Schwerpunkt auf die gewaltsame Vertreibung der deutschsprachigen Einheimischen am Sonntag, dem 13. Januar 1946.

Nach einem Rundgang durch die Ausstellung folgte eine Gedenkmesse für alle Vertriebenen, in der insbesondere das Leid der vertriebenen Abstaller-Deutschen im bitterkalten Januar 1946 hervorgehoben wurde. Alle Besucher der Gedenkveranstaltung versammelten sich vor der Kirche beim Kreuz, wo die Namen der Verstorbenen auf zweisprachigen Tafeln verzeichnet sind. In der Kirche selbst befindet sich ein Totengedenkbuch der Einheimischen, die während oder kurz nach dem Krieg starben.

Darauf folgte noch ein Treffen, bei dem sich vor allem Nachkommen der ehemaligen Bewohner, von denen einige weit entfernt leben, wiedertrafen, der tragischen Ereignisse gedachten und einander erzählten, wohin sie das Leben in alle Welt geführt hatte.

Die Ausstellung im Haus von Dr. Matl ist vorerst mittwochs von 10 bis 14 Uhr und sonntags von 8 bis 12 Uhr bis einschließend 1. März geöffnet.

Sie können die gesamte Ausstellung auch detailliert auf unserer zweisprachigen Website www.steiermark-stajerska.com anschauen, indem Sie auf „AUSSTELLUNG“ im grünen Rahmen neben dem Text „Abstaller Feld“ klicken.

Mehr Informationen zum Jahrestag fidnen Sie hier: https://steiermark-stajerska.com/de/napovedi__novice/was-geschah-am-sonntag-dem-13-januar-1946/

Text: Jan Schaller

Fotos: Christine Hofmeister

 

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