#verbunden_mit Gregor Gallai
Der Spitzenkandidat der Ungarndeutschen ist Gregor Gallai. Der in derÖffentlichkeit sowie in der Arbeit der ungarndeutschen Gemeinschaft seit vielenJahren aktive Gallai setzt sich zum Ziel, in enger Zusammenarbeit mit derLandesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, parteipolitisch unabhängig undkonsequent die Interessen der Ungarndeutschen zu vertreten. Gregor Gallai, derbisherige Sachverständige für Nationalitätenpolitik, der Leiter des Kabinetts,an der Seite des Sprechers der Ungarndeutschen, ist Jahrgang 1975 und ist inBudapest geboren. Er studierte an der Pädagogischen Hochschule in Budapest,lebt im Donauknie und arbeitete lange Zeit in Sankt Andräer Galerien. Inunserer neuesten Ausgabe sind wir #verbunden_mit Gregor Gallai.
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Lieber Herr Gallai, die Wahl zum Spitzenkandidaten der LdU kommt nicht von ungefähr.
Sowohl mütterlicherseits als auch väterlicherseits bin ich ungarndeutscher Abstammung. Der Glaube an Gott, die gegenseitige Rücksichtnahme, das Zuhören und das Kümmern umeinander waren bei uns zu Hause immer wichtig. Meine Geschwister und ich sind mit diesem Bewusstsein aufgewachsen. Diese Werte sind mein Kompass im Leben, und auch meinen Sohn erziehe ich nach diesen Prinzipien. Zehn Jahre lang habe ich eng mit Emmerich Ritterzusammengearbeitet. Dadurch kenne ich die parlamentarische Arbeit nicht nur theoretisch, sondern auch aus dem praktischen Alltag als Interessenvertreterunserer ungarndeutschen Gemeinschaft.
Wie sind Sie mit der deutschen Sprache in Berührung gekommen?
Die Familie meines Vaters stammt aus Wudersch, dort haben wir, als ich ein Kind war, meine Großmutter oft besucht. Ich bin in Budapest geboren, dann in Krottendorf/Békásmegyer aufgewachsen, und seit ich dort das Veres-Péter-Gymnasium beendet habe, lebe ich im Donauknie. Zu Hause hat mein Vater in meiner Kindheit deutsch zu uns gesprochen, nach den rigorosen Vorgaben meines Vaters habe ich ab der Grundschule Deutsch als Fremdsprache gelernt. Für mich war es durch die Familie einfacher. Zusammen mit meinen Geschwistern – wir sind zu elft – war es bei uns Pflicht, Deutsch zu lernen.
Ihre Wahl ist eine Botschaft der LdU: ein Verjüngungskurs, ein Generationswechsel. Wie siehst du deine Rolle bei der Vereinbarkeit von Tradition und Moderne?
Das klingt zwar nach einem Klischee, aber wir bleiben uns treu, indem wir uns weiterentwickeln. Wer die Tradition bewahren will, muss die Zukunft gestalten. Meine Aufgabe ist es, unsere ungarndeutschen Werte wie Fleiß, Zusammenhalt sowie die Pflege unserer Mundarten und Traditionen in die Sprache der heutigen Zeit zu übersetzen. Ich sehe mich als Brückenbauer zwischen den Generationen. Ich sorge dafür, dass unsere Bräuche nicht nur glänzender Teil der Vergangenheit sind, sondern auch in einer digitalisierten, schnelllebigen Welt relevant bleiben.
Sie sind schon seit Jahren landesweit viel unterwegs. Wie sind Ihre Eindrücke bezüglich des Identitätsbewusstseins?
Dieses Thema war häufig Gegenstand der Diskussionen im Rahmen unserer „Wechselgespräch“-Reihe mit ungarndeutschen Bürgermeistern. Ich bin Teil der ungarndeutschen Gemeinschaft, teile ihre Werte und setze mich engagiert ein – überall, wo ich gebraucht werde, ob auf dem Land oder in der Stadt. Auch persönliche Diskussionen sind mir sehr wichtig, dafür nehme ich mir immer Zeit.
Ich nehme wahr, dass die junge Generation das Thema Identität nicht mehr als „entweder-oder“ begreift. Man kann stolze/r Ungarndeutsche/r sein und gleichzeitig voll in der globalen, digitalen Weltverankert sein. Dies birgt Risiken und neue Herausforderungen, eröffnet jedoch auch Chancen, die wir in der Registrierungskampagne nutzen möchten.
Ich beobachte auch bei älteren Menschen, wie wichtig es geworden ist, zur eigenen ungarndeutschen Identität zu stehen. Wir müssen in der Lage sein, diese Begeisterung sowohl im Wahlkampf als auch in den kommenden Jahren zu nutzen. Ich zähle auf unsere gesamte Gemeinschaft, egal ob junge oderältere Generation, ob aus Nord-, Süd-, Ost- oder Westungarn – uns verbinden Jahrhunderte gemeinsame Geschichte und ein gemeinsames Schicksal in Ungarn. Wir sollen und müssen diesen Weg gemeinsam gehen.
Was sind Ihre Prioritäten? Wo sehen Sie Handlungsbedarf?
Das Fundament unserer Arbeit soll auch zukünftig die politische Vertretung der Ungarndeutschen im ungarischen Parlament sein. Der vollwertige Sitz eines Abgeordneten ist unser wichtigstes Werkzeug. Wir müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen der Nationalitätenautonomie weiter festigen. Das bedeutet, dass wir nicht nur eine Stimme im Parlament haben, sondern dass diese auch effektiv Gehör findet.
Dies entspricht den Prioritäten der LdU-Strategie. 1. Autonomie und politische Sichtbarkeit sichern, 2. die Weiterentwicklung des Bildungswesens als zentraler Identitätsfaktor und 3. Sicherstellung der finanziellen Stabilität der Selbstverwaltungen, Bildungseinrichtungen und Vereine.
Was würden Sie antworten, wenn man Sie fragt, was die Ungarndeutschen nach Jahrhunderten in Ungarn immer noch zu Ungarndeutschen macht?
In meiner Rede bei der Gedenkfeier zur Verschleppung und Vertreibung unserer Landsleute am 27. Dezember 2025 in Petschwar habe ich über die Seelenkraft und die starke, positive Anpassungsfähigkeit unserer deutschen Volksgruppe gesprochen. Nach den schwierigen Zeiten, die unsere Gemeinschaft nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt hat, ist es uns immer wieder gelungen, aufzustehen und mit Gottes Hilfe auf dem Fundament unserer Werte neues Leben zu schaffen.
Diese Eigenschaften bilden die Grundlage für die Zukunft der Ungarndeutschen. Trotz vielfältiger Herausforderungen, denen wir uns in diesen Jahrhunderten gegenübersahen, konnten sich unsere Landsleute stets neu orientieren und Zukunftsperspektiven entwickeln – wir sind immer noch da.
Es gilt jedoch zu erkennen, dass diese Zukunft nicht durchäußere Versprechen garantiert wird, sondern dass wir uns selbst zu dieser Zukunft verpflichten müssen.
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Bild: Gregor Gallai (Facebook-Seite)
Interview: Katalin Bachmann / A.K. (Neue Zeitung)
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Die Stiftung Verbundenheit freut sich und bedankt sich für die gute Zusammenarbeit mit der "Neuen Zeitung" aus Ungarn und die Überlassung der Antworten auf die gestellten Fragen aus zwei bereits bestehenden Interviews. Besonderer Dank geht an Herrn Johann Schuth, den Chefredakteur der "Neuen Zeitung".




