
Am 28. August 2026 jährt sich zum 85. Mal der Erlass „Überdie Umsiedlung der Deutschen, die in den Wolgarayons wohnen“. Der am 28. August1941 vom Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR erlassene Beschluss markierteinen der schwersten Einschnitte in der Geschichte der Wolgadeutschen.
Nach dem Angriff des nationalsozialistischen Deutschlandsauf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 stellte die sowjetische Führung die deutsche Bevölkerung unter einen pauschalen Verdacht. Im Erlass wurde behauptet, unter den Wolgadeutschen befänden sich „Tausende und aber Tausende Diversanten und Spione“. Konkrete Belege für diese Anschuldigungen wurden nicht vorgelegt. Auf dieser Grundlage ordnete die sowjetische Staatsführung die Umsiedlung der deutschen Bevölkerung aus der Wolgaregion an.
In den folgenden Wochen wurden nahezu alle Wolgadeutschen aus ihren bisherigen Siedlungsgebieten deportiert. Die Transporte führten insbesondere nach Sibirien und Kasachstan. Die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen, die seit 1924 bestanden hatte, wurde 1941aufgelöst. Das Eigentum der Deportierten wurde beschlagnahmt und später nicht zurückgegeben.
Die Betroffenen wurden in den neuen Siedlungsgebieten der Kontrolle des sowjetischen Innenministeriums unterstellt. Arbeitsfähige Männer und später auch Frauen wurden zur Arbeit in Kolonnen und Lagern herangezogen. Sie mussten unter anderem im Bergbau, in der Forstwirtschaft, in der Landwirtschaft und beim Bau von Industrieanlagen arbeiten. Hunger, Krankheiten, Erschöpfung und unzureichende Lebensbedingungen prägten das Leben vieler Deportierter.
Am 13. Dezember 1955 wurde das Regime der Sondersiedlungen für die Deutschen aufgehoben. Eine Rückkehr in ihre früheren Siedlungsgebiete blieb ihnen jedoch weiterhin untersagt. Dieses Rückkehrverbot wurde erst 1974aufgehoben. Das während der Deportation beschlagnahmte Eigentum wurde nicht zurückerstattet.
Mit einem Erlass vom 29. August 1964 nahm der Oberste Sowjet der UdSSR die 1941 erhobenen pauschalen Anschuldigungen gegen die Wolgadeutschen als unbegründet zurück. Die Autonome Republik der Wolgadeutschenwurde dennoch nicht wiederhergestellt.
Die Stiftung Verbundenheit gedenkt am 85. Jahrestag der Opfer der Deportation und erinnert an das Schicksal der Wolgadeutschen so wieder weiteren von Deportation, Zwangsarbeit und staatlicher Repression betroffenen Russlanddeutschen. Die Erinnerung an dieses historische Unrecht und an seine Folgen für die Betroffenen und ihre Nachkommen bleibt eine gemeinsame Verpflichtung.


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