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Datum
17.3.2026
Autor

Fachbibliothek Aktuell: Werke von Abai (Ibrahim) Qunanbajuly

Die Stiftung Verbundenheit ist in ihrem Auftrag des Bundesministeriums des Innern als Mittlerorganisation für die Förderung deutscher Minderheiten in Mittel-und Osteuropa, Russland sowie Zentralasien tätig. In Lateinamerika arbeitet sie an der Einbindung der deutschsprachigen Gemeinschaften in die Auswärtige Kultur und Bildungspolitik. In der Region Oberfranken, in Bayern und Deutschland hat sich die Stiftung Verbundenheit vorgenommen, die deutschen Minderheiten, deutschsprachigen Gemeinschaften in Lateinamerika und weltweit sowie ihre Heimatregionen in der Öffentlichkeit bekannter zu machen.

Die Stiftung Verbundenheit stellt in ihrem Bayreuther Büro eine Fachbibliothek zum Themenfeld der deutschen Minderheiten, deutschsprachigen Gemeinschaften in Lateinamerika und weltweit zur Verfügung. In ihr findet sich ein breiter Buchbestand an Fach- und Sachliteratur zu den Themen der Geschichte, Kultur, Traditionen und Bräuchen der Deutschen im Ausland und ihrer Heimatregionen. Auch aktuelle thematische Literatur zur Sprach-, Medien-,Jugend- und Projektarbeit der deutschen Minderheiten und deutschsprachigen Gemeinschaften und zu Forschungsinhalten sind Teile der Bibliothek.

Als weiteres Element der Bibliothek der Stiftung Verbundenheit gibt es hinzukommend zum bereits Erwähnten ein Archiv der Zeitungen und Zeitschriften der deutschen Minderheiten und deutschsprachigen Gemeinschaften, das sowohl einen Überblick über die aktuellen Themen, Veranstaltungen und Herausforderungen bietet, sondern auch die Möglichkeit im Archiv zu stöbern, um die Entwicklung und Hintergründe der deutschen Minderheiten und deutschsprachigen Gemeinschaften nachvollziehen zu können.

In diesem Kontext möchte sich die Stiftung Verbundenheit für die Neuzugänge in ihrer Bibliothek bedanken und diesen empfehlen.

Abai (Ibrahim) Qunanbajuly (1845–1904) war ein herausragender kasachischer Dichter, Schriftsteller, Komponist und Philosoph. Er gilt heute als die bedeutendste intellektuelle Identitätsfigur Kasachstans und als Begründer der modernen kasachischen Schriftsprache. Sein Wirken markiert den Übergang von der mündlich geprägten Nomadentradition hin zu einer schriftbasierten, europäischen Einflüssen gegenüber offenen Nationalkultur.

Geboren wurde er als Ibrahim Qunanbajuly in eine wohlhabende Familie eines Geschlechtsoberhauptes (Bij) in der Nähe von Semei. Aufgrund seiner außergewöhnlichen intellektuellen Fähigkeiten erhielt er schon früh den Beinamen „Abai“ – „der Kluge“ oder „der Einsichtige“. Seine Ausbildung war zweigleisig geprägt: Er besuchte eine Koranschule (Medresse), in der er Persisch, Arabisch und die Klassiker des Orients studierte, lernte aber gleichzeitig an einer russischen Gebietsschule. Diese Kombination erlaubte es ihm, eine Brücke zwischen der islamisch-orientalischen Welt und der westlich-russischen Aufklärung zu schlagen.

Abai begann bereits mit 13 Jahren zu dichten. Besonders prägend war sein Kontakt zu liberalen russischen Intellektuellen, die ins kasachische Exil verbannt worden waren. Durch sie vertiefte er sein Wissen über europäische Denker. Er wurde zum ersten großen Übersetzer europäischer Literatur ins Kasachische und machte seinem Volk Werke von Goethe, Puschkin, Lermontow und Lord Byron zugänglich. Legendär ist seine Übertragung von Goethes „Wanderers Nachtlied“, die im kasachischen Steppenland zu einem populären Volkslied wurde.

Sein bedeutendstes Prosawerk ist die Sammlung „Kara soz“ (Schwarze Worte). In diesen 45 philosophischen Traktaten und moralischen Predigten setzte er sich kritisch mit der kasachischen Gesellschaft seiner Zeit auseinander. Er prangerte die Korruption, den Konservatismus der Stammesstrukturen und die mangelnde Bildung an. Er forderte seine Landsleute auf, sich durch Wissen, Handwerk und moralische Integrität weiterzuentwickeln. Er sah im kulturellen Anschluss an Russland – als Träger der europäischen Kultur – die einzige Chance für das Überleben und den Fortschritt seines Volkes.

Abais reformerische Ansichten und seine Angriffe auf die patriarchalischen Machtstrukturen schufen ihm viele Feinde innerhalb der kasachischen Oberschicht. Er wurde Opfer von Verleumdungen und sogar physischen Anschlägen. Trotz dieser Widerstände war er bereits zu Lebzeiten eine hochverehrte Instanz, zu der Menschen aus der gesamten Steppe reisten, um Rat zu suchen. Er starb 1904 in seiner Geburtsregion.

Im heutigen Kasachstan ist Abai eine allgegenwärtige Nationalikone. Seine Werke wurden in über 60 Sprachen übersetzt. Zahlreiche Institutionen, wie das nationale Opernhaus in Almaty, die Stadt Abai und verschiedene Universitäten, tragen seinen Namen. Sein Leben wurde durch den Schriftsteller Muchtar Äuesow im monumentalen Romanepos „Der Weg von Abai“ verewigt, das als eines der wichtigsten Werke der kasachischen Weltliteratur gilt. Abai wird nicht nur als Literat gefeiert, sondern als der „Erwecker“ des kasachischen Nationalbewusstseins, der Werte wie Humanismus, Bildung und kulturelle Offenheit predigte.

Die Stiftung Verbundenheit bedankt sich beim Botschafter Kasachstans in Berlin, Nurlan Onzhanov, der dem Stiftungsratsvorsitzenden Hartmut Koschyk in der Kasachischen Botschaft das Büchergeschenk übergeben hatte.

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