Die Tschechische Republik hat der deutschen Minderheit eine historische Chance eröffnet: Durch ein im Jahr 2023 verabschiedetes Gesetz verpflichtet sich der Staat, Teil III der Europäischen Charta der Regional oder Minderheitensprachen auf die deutsche Sprache anzuwenden. Damit wird Deutsch offiziell als Minderheiten-Muttersprache anerkannt und umfassend gefördert – ein bedeutender Schritt, um die deutsche Sprache in Tschechien langfristig zu sichern und sichtbar zu stärken.
Die Stiftung Verbundenheit griff diese Entwicklung auf und widmete diesem Thema beim Sudetendeutschen Tag im vergangenen Jahr ein eigenes Gesprächsforum. Dort skizzierte der damalige Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in Tschechien, Martin Dzingel, die Bedeutung der gesetzlichen Entscheidung sowie das langjährige Engagement der deutschen Minderheit, Regierung, Parlament und Staatspräsidenten für eine Stärkung des Deutschen im Rahmen der europäischen Minderheitenabkommen zu gewinnen.
Trotz des politischen Fortschritts besteht ein gravierendes praktisches Problem:
Es fehlt an qualifizierten Lehrkräften, die Deutsch als Minderheiten-Muttersprache unterrichten können. Ohne ausreichend geschultes Personal können neue Bildungsangebote nicht entstehen und bestehende Strukturen nicht nachhaltig gesichert werden.
Genau deshalb ist eine zielgerichtete Unterstützung dringend notwendig, und so haben sich die Verantwortlichen auf Initiative der Stiftung Verbundenheit nun an den Freistaat Bayern gewendet, um Hilfe bei der Lehrerqualifizierung und der Entsendung von Lehrkräften zu erhalten.
Ziel der Initiative war es, gemeinsam mit der deutschen Minderheit konkrete Schritte zur Stärkung der deutschen Minderheiten-Muttersprache anzustoßen.
An beiden Gesprächen nahmen seitens der deutschen Minderheit Richard Neugebauer, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in Tschechien, und sein Amtsvorgänger Martin Dzingel sowie seitens der Stiftung Verbundenheit Stiftungsratsvorsitzender Hartmut Koschyk und Geschäftsführer Sebastian Machnitzke teil.

Die Vertreter der deutschen Minderheit und der Stiftung Verbundenheit führten zunächst ein Gespräch mit der stellvertretenden Ministerpräsidentin und Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales, Ulrike Scharf MdL, ihrer Mitarbeiterin Nina Hieronymus, dem für deutsche Minderheiten zuständigen Referatsleiter Dr. Wolfgang Freytag sowie Stephan Mayer MdB, dem Vorsitzenden der Deutsch-Tschechischen Parlamentariergruppe im Deutschen Bundestag, Obmann der CDU/CSU im Unterausschuss Auswärtige Kulturpolitik, BdV-Präsident und Mitglied des Stiftungsrats der Stiftung Verbundenheit. Anschließend tauschten sie sich in einem zweiten Gespräch mit der Landesbeauftragten für Aussiedler und Vertriebene, Dr. Petra Loibl MdL, und ihrer Mitarbeiterin Christa Schmidt aus.
Hartmut Koschyk betonte zu Beginn die historische Dimension der aktuellen Entwicklung: „Aktuell besteht die einmalige Chance, die deutsche Sprache als Muttersprache für die Nachgenerationen in Tschechien zu sichern.“
Im Rahmen der Gespräche stellten Richard Neugebauer, Präsident der Landesversammlung der deutschen Vereine in Tschechien, und der Verfasser des Konzeptes, Martin Dzingel, das Konzept der deutschen Minderheit vor. Es umfasst die systematische Qualifizierung von Lehrkräften, den Ausbau zweisprachiger Bildungsangebote sowie die Stärkung deutscher Kultur und Sprachprojekte in den Regionen. Darüber hinaus beinhaltet es Maßnahmen, die darauf abzielen, die deutsche Sprache wieder stärker in Familien, Schulen und lokalen Gemeinschaften zu verankern. Ziel des Konzeptes ist es dabei nicht nur, die Sprache zu bewahren, sondern ihre Weitergabe an junge Generationen nachhaltig zu sichern und Deutsch im Alltag der betroffenen Regionen wieder sichtbarer zu machen.
Staatsministerin Ulrike Scharf MdL hob hervor, wie wichtig eine Unterstützung durch den Bund sei – insbesondere im Bereich der Lehrerentsendung durch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA). Sie kündigte an, das Thema auch innerhalb der Bayerischen Staatsregierung aktiv einzubringen.
Stephan Mayer MdB erklärte, umgehend Kontakt zur Zentralstelle für das Auslandsschulwesen aufzunehmen, um auf die besonderen Bedarfe der deutschen Minderheit aufmerksam zu machen. Auch Dr. Petra Loibl sagte den Vertreterinnen und Vertretern der deutschen Minderheit in Tschechien ihre Unterstützung zu.

Im weiteren Vorgehen planen Dr. Petra Loibl MdL und Hartmut Koschyk, Schulen in Krummau (Český Krumlov) und Eger (Cheb) zu besuchen, um sich ein Bild von der Lage vor Ort zu machen. Mitarbeitende der Stiftung Verbundenheit hatten die Schule in Eger bereits vor einigen Jahren besucht; gemeinsam mit dem zuständigen Stimmkreisabgeordneten des an Eger angrenzenden Landkreises, Finanzstaatssekretär Martin Schöffel, soll nun ein erneuter Besuch vorbereitet werden.
Die aktuelle Gesetzgebung in Tschechien eröffnet eine seltene und wertvolle Chance, die deutsche Sprache als Minderheiten-Muttersprache nachhaltig zu stärken. Damit diese Möglichkeit genutzt werden kann, braucht es jetzt gezielte Unterstützung durch Freistaat Bayern und Bund, eine enge Kooperation mit der deutschen Minderheit und eine engagierte Begleitung durch die Stiftung Verbundenheit.
Lesen und sehen Sie die Präsentation zum Vortrag von Martin Dzingel hier.



