Ein imposantes Aufgebot von über 100 Musizierenden bildete den Rahmen, in dem die Deutsche Minderheit in Oppeln/Opole das Bestehen des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags feierte. Hochkarätige Repräsentanten beider Nationen würdigten die Vereinbarung als elementaren Grundpfeiler des Friedens.
Die feierliche Gala wurde von einem Quartett aus National-und Regionalhymnen eingeläutet: der polnischen, der deutschen, der europäischen sowie der oberschlesischen. Rund 500 geladene Gäste waren dem Ruf derS ozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien (SKGD) in das Jan-Kochanowski-Theater in Oppeln gefolgt. Im Publikum fanden sich neben Vertretern der deutschen Volksgruppe und der Regionalpolitik auch zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Warschau und Berlin. Unter den Ehrengästen bewegten sich Sejm-Marschall Włodzimierz Czarzasty, die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Andrea Lindholz sowie der Bundestagsabgeordnete und Polenbeauftragte der Bundesregierung Knut Abraham.

Kulturelles Erbe im Rampenlicht
Rafał Bartek, in Doppelfunktion als Chef der SKGD und des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG), hieß die Anwesenden gemeinsam mit Zuzanna Donath-Kasiura, der Vizemarschallin der Woiwodschaft Oppeln, zweisprachig willkommen. Das Event verdeutliche die tiefe Verwurzelung der deutschen Kultur in der Region und im gesamten polnischen Staat, erklärten beide: „Die Kunstschaffenden, die heute die Bühne betreten, verkörpern den lebendigen Beleg dafür, dass das Pflegen der deutschen Identität, Sprache und Bräuche weit mehr als bloßer Alltag der Minderheit ist. Es stellt ein integrales Element des kulturellen Reichtums unserer Heimat und unseres Landes dar.“

Das Duo ergriff zudem das Wort, um Parlamentschef Włodzimierz Czarzasty für dessen Schirmherrschaft über dieses Festkonzert zu danken. Czarzasty unterstrich in seiner Rede die Tragweite des Abends: „Ich habe ganz bewusst die Patenschaft für dieses Treffen und dieses Kulturereignis übernommen, weil ich fest davon überzeugt bin, dass dies für Polen von Bedeutung ist. Ich halte es für wichtig für Sie. Ich halte es für wichtig für Schlesien. Es ist eine fundamentale Angelegenheit für uns alle, die heute hier zusammengekommen sind.“

Ein Versprechen, das über die Paragrafen des Vertrags hinausgeht
Andrea Lindholz betonte in ihren Ausführungen, dass das Vertragswerk weit mehr als ein starres Rechtsdokument sei, und lobte die unverzichtbare Mittlerrolle der deutschen Minderheit im Nachbarland. Zudem stellte sie die Vereinbarung in einen größeren europäischen Rahmen: „Das Abkommen, das man seinerzeit besiegelte und das unverändert Bestand hat, übersteigt den Charakter eines rein juristischen Textes. Es war und bleibt ein großes Versprechen. Ein Versprechen auf Aussöhnung. Ein Versprechen auf wechselseitige Wertschätzung und auf eine geteilte Zukunft in einer geeinten europäischen Gemeinschaft.“

Für Rafał Bartek besaß die Veranstaltung zudem einen klaren Appellcharakter. Im Gespräch mit dem Neues Wochenblatt.pl erklärte er: „Wir möchten mit diesem Event eine Botschaft in die Welt senden: Wir sind erfüllt von Dankbarkeit, dass diese Partnerschaft für gute Nachbarschaft und freundschaftliche Kooperation seit nunmehr 35 Jahren existiert und aus unserer Perspektive kein Stück an Relevanz eingebüßt hat.“ Gleichzeitig mahnte er an, dass Zeilen auf Papier nicht genügen: „Ein solches Abkommen muss von den Bürgerinnen und Bürgern in den Regionen aktiv gelebt und mit Leben gefüllt werden.“

Wie lebendig dieser Leitgedanke in der Oppelner Region tatsächlich verankert ist, bewies das musikalische Programm. Zwei Blaskapellen(die Orchester des DFK Nesselwitz/Pokrzywnica und aus Zülz/Biala), fünf Chorgemeinschaften (Krappitzer Chor, Heimatklang, Chor Glogovia, Brosci Chorus sowie Echo aus Kupp) und vier Solotalente der Minderheit gestalteten das dreistündige Programm – in Summe weit über hundert Mitwirkende. Erstmalig schlossen sich dabei diverse Chöre und Bläserensembles der Deutschen Minderheit für ein kollaboratives Konzert zusammen, wie Oskar Koziołek-Goetz schilderte, der gemeinsam mit Andrzej Weinkopf für die musikalische Gesamtleitung verantwortlich zeichnete.
Das Repertoire spannte einen weiten Bogen von orchestralen Kompositionen über maßgeschneiderte Arrangements für Gesang und Bläser bis hinzu bekannten deutschen und polnischen Liedern – angefangen beim Klassiker „Mein kleiner grüner Kaktus“ bis zu einem lyrischen Solo für Flügelhorn. Die stilistische Bandbreite spiegelte eindrucksvoll wider, wie untrennbar die deutsche und die polnische Kulturlandschaft in Oberschlesien miteinander verflochten sind.
Vor und nach dem Konzert: Gespräche mit Organisationen der Deutschen Minderheit vor Ort
Vor dem Jubiläumskonzert konnte die Delegation aus Deutschland nach einem kurzen Rundgang durch die Oppelner Altstadt das Dokumentations- und Ausstellungszentrum der Deutschen in Polen besuchen und an einer Besichtigung der Dauerausstellung teilnehmen. Die Gäste zeigten sich beeindruckt von der ergänzten und modernisierten Ausstattung der Dauerausstellung, die im Herbst 2022 feierlich eröffnet wurden und seitdem sowohl für Gäste aus Deutschland, aber auch die Mehrheitsgesellschaft in Polen der Ort ist, die Geschichte der Deutschen auf dem Gebiet des heutigen Polens erfahrbar zu machen.



Mit den Vertretern des Bundesministeriums des Innern und den Landesbeauftragten für Vertriebene und Aussiedler der Bundesländer Hessen, Andreas Hofmeister MdL, und Sachsen, Jens Baumann, konnten die Stiftungsvertreter, Geschäftsführer Sebastian Machnitzke und Teamleiter und Projektkoordinator Dominik Duda, drei wichtige Institutionen der Deutschen Minderheit zu Arbeitsgesprächen besuchen.

Zu Beginn wurde im Jugendzentrum der Deutschen Minderheit in Polen die Jugendarbeit des Bundes der Jugend der Deutschen Minderheit (BJDM) die Projekttätigkeit für die junge Generation vorgestellt. Die wiedergewählte BJDM-Vorsitzende Paulina Widera und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten ihre Aktivität berichtete von Erfolgen und Plänen für das laufende und kommende Jahr. Besonders das zum 35-jährigen Jubiläum entstandene Mural an der Hinterwand des Jugendzentrums sowie das sehr breit angelegte Projektangebot des BJDM beindruckte die Gäste sehr. Alle Anwesenden waren sich einig, dass die erfolgreichn Arbeit der Jugendorganisation sowie die nachhaltige Förderung durch das BMI wichtig seien, da die Nachwuchsförderung der entscheidende Aspekt für eine zukünftig erfolgreiche und starke Minderheitenarbeit sei.

In der Eichendorff-Bibliothek konnte deren Leiter, Marek Dziony, die Aufgabe und die Ziele des Bildungsvereins sowie der Bibliothek an sich sehr bildlich darstellen. Die Eichendorff-Bibliothek in Oppeln/Opole fungiert als zentrale Informations- und Kulturstätte für die Deutsche Minderheit in Polen sowie für die gesamte Region. Ihr primäres Ziel ist es, das reiche literarische und historische Erbe Schlesiens zu bewahren und durch einen umfangreichen Bestand an deutschsprachiger Literatur zugänglich zu machen. Neben der klassischen Buchausleihe fördert die Bibliothek aktiv den interkulturellen Austausch und das Erlernen der deutschen Sprache durch Lesungen, Ausstellungen und Bildungsprojekte. Als lebendiger Begegnungsort schlägt sie somit eine wertvolle Brücke zwischen der deutschen und polnischen Kultur und stärkt das gegenseitige Verständnis und konzentriert sich bei den Empfängern vor allem auf die junge Generation.

In demselben Gebäude wie die genannte Eichendorff-Bibliothel ist auch das Forschungszentrum der Deutschen Minderheit mit seinen Büroräumen und dem angehängten Archiv zu finden. Die wissenschaftliche Forschung, die Veranstaltungen und Publikationen wurden der Delegation von der Mitarbeiterin Emilia Wojcik nähergebracht. Das Forschungszentrum der Deutschen Minderheit in Oppeln widmet sich der wissenschaftlichen Untersuchung und Dokumentation der Geschichte, Sprache und Kultur der deutschen Minderheit in Polen. Durch interdisziplinäre Forschungsprojekte und die Archivierung historischer Quellen sichert das Zentrum das kulturelle Erbe der Region für zukünftige Generationen. Ein zentrales Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse über Konferenzen, Publikationen und Bildungsmaterialien sowohl der Fachwelt als auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Auf diese Weise fungiert das Forschungszentrum als wichtige Brücke zwischen Wissenschaft und Gesellschaft und fördert den objektiven Dialog sowie das gegenseitige Verständnis im deutsch-polnischen Kontext. Die Gäste zeigten sich interessiert am Fortwirken des Forschungszentrums und würdigten die herausgegebenen Publikationen sowie Forschungsarbeit.




.png)