Die Angehörigen der ungarndeutschen Nationalität sind seit Jahrhunderten fester Bestandteil der ungarischen Gesellschaft. Heute bekennen sich rund 150.000 Menschen in Ungarn zur deutschen Sprache, Kultur und Tradition. Ihre Dachorganisation, die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen (LdU), koordiniert die Arbeit von landesweit 402 lokalen Nationalitätenselbstverwaltungen, über 500 Kulturgruppen und zahlreichen Vereinen.
Ein Schwerpunkt der Tätigkeit der LdU ist die Verwirklichung der kulturellen Autonomie, insbesondere durch die Übernahme ungarndeutscher Institutionen in eigene Trägerschaft. Ein Bildungssystem mit deutscher Muttersprache trägt zur Bewahrung der Identität bei und erfreut sich auch bei anderen Bevölkerungsgruppen in Ungarn großer Beliebtheit. Zudem wird die ungarndeutsche Gemeinschaft seit 2018 durch einen eigenen Abgeordneten im Parlament vertreten.
Über die aktuelle Lage und Perspektiven der Ungarndeutschen sprach Moderatorin Monika Ambach, Projektkoordinatorin der Stiftung Verbundenheit für Ungarn, Ukraine und das Baltikum, mit Ibolya Hock-Englender, der Vorsitzenden der LdU, Gregor Gallai, Spitzenkandidat der LdU für die anstehenden Parlamentswahlen, Anna Schulteisz, Präsidentin der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher, sowie Gábor Schulteisz, Mitarbeiter der Deutschen Redaktion des Ungarischen Rundfunks und Fernsehens.
Die Veranstaltung wurde mit Grußworten von Prof. Dr. Stephanie Risse, Mitglied des Kuratoriums der Stiftung Verbundenheit, und Benjamin Józsa, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Minderheiten in der Föderalistischen Union Europäischer Nationalitäten, eröffnet. Beide würdigten die Lebendigkeit und Vielfalt der ungarndeutschen Initiativen und betonten angesichts der Parlamentswahlen am 12. April die Bedeutung der politischen Vertretung von Minderheiten.
Ibolya Hock-Englender beleuchtete historische Meilensteine der ungarndeutschen Gemeinschaft und gab Einblicke in das Bildungswesen. Sie erwähnte auch das Stipendienprogramm für angehende Pädagogen, das den Mangel an Fachkräften an Kindergärten, Grund- und Mittelschulen der Minderheit entgegenwirken soll.
Gregor Gallai stellte seine Wahlkampagne vor und betonte, wie wichtig eine stimmberechtigte Vertretung der Deutschen in Ungarn sei. Sein Ziel sei eine enge Zusammenarbeit mit der LdU, um die Interessen der gesamten Gemeinschaft effektiv zu vertreten.
Anna Schulteisz berichtete über die engagierte Arbeit der Gemeinschaft Junger Ungarndeutscher, deren Kultur- und Sportprojekte zahlreiche junge Menschen ansprechen und zur Stärkung der Identität beitragen.
Gábor Schulteisz ergänzte den Einblick mit Informationen zur deutschsprachigen Medienlandschaft in Ungarn. Besonders hervorgehoben wurde die neue Podcastserie der LdU, die auf großes Interesse gestoßen ist.
Als zentrale Herausforderungen der kommenden Jahre nannten die Gesprächspartner die dauerhafte Förderung der Minderheit, die Anpassung der Organisationen an moderne Strukturen, sowie die Stärkung der Zusammenarbeit innerhalb der Gemeinschaft.
Das Ziel bleibe es, eine lebendige ungarndeutsche Gemeinschaft zu erhalten, die Kultur, Tradition und Sprache auch künftig aktiv pflegt und sichtbar in der ungarischen Gesellschaft verankert bleibt.



