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Datum
21.8.2026
Autor

#verbunden_mit Stephan Kleinschmidt

In regelmäßigen Abständen veröffentlichen wir, die Stiftung Verbundenheit, Kurzinterviews mit interessanten Personen aus den Reihen der deutschen Minderheiten bzw. mit Personen, die mit ihnen verbunden sind oder mit unserer Stiftung in Kontakt gekommen sind. Heute sprechen wir mit dem neuen Vorsitzenden des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), der Deutschen Minderheit in Dänemark.

Herr Kleinschmidt, Sie sind nun der neue Vorsitzende des BDN. Warum haben Sie kandidiert?

Ich bin seit vielen Jahren politisch aktiv und eng mit der deutschen Minderheit verbunden. Jetzt ist für mich der richtige Zeitpunkt, nochmehr Verantwortung zu übernehmen – auf einer neuen Ebene.

Ich möchte meine Erfahrung in Politik, Verwaltung und grenzüberschreitender Zusammenarbeit und mein Netzwerk einbringen, um die Minderheit weiter zu stärken. Mir geht es darum, Zusammenhalt zu sichern und gleichzeitig neue Perspektiven zu eröffnen.

Sie sind den Schritt aus der Kommunalpolitik gegangen.Was bringen Sie in die neue Position ein?

Nach zwei Jahrzehnten in der Kommunalpolitik habe ich bewusst entschieden, nicht erneut zur Kommunalwahl anzutreten. Ich war lange Spitzenkandidat, Fraktionsvorsitzender und habe Verantwortung in der Kommune Sonderburg und in unserer Minderheit getragen – als Ausschussvorsitzender und zuletzt als erster Vizebürgermeister.

Irgendwann war der Moment gekommen, den Staffelstab weiterzugeben. Ich habe diesen Schritt bewusst gewählt, um mich vollständig auf die Arbeit als Hauptvorsitzender des BDN und damit auf die Minderheit konzentrieren zu können.

Ich bringe Erfahrung aus unterschiedlichen politischen Ebenen mit: aus der Kommunalpolitik in der Kommune Sonderburg und als Stadtrat und Dezernent in Flensburg, aus der Landespolitik in der Kieler Staatskanzlei sowie aus meiner Arbeit in der Region Syddanmark.

Dabei habe ich mir über viele Jahre ein starkes Netzwerk in Politik und Verwaltung auf beiden Seiten der Grenze aufgebaut – nach Berlin, Kopenhagen, Kiel und Vejle sowie in die Kommunen entlang der deutsch-dänischen Grenze. Vor allem aber sehe ich meine Stärke darin, Menschen zusammenzubringen. Ich habe immer versucht, Brücken zu bauen – über politische, administrative und nationale Grenzen hinweg. Genau das braucht unsere Minderheit auch in Zukunft.

Was sind ihre Schwerpunkte, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Unsere Minderheit wächst und ist vielfältiger geworden. Das ist eine große Chance. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, was uns verbindet.

Mir geht es darum, unsere Schulen, Vereine und Institutionen stark und verlässlich aufzustellen. Sie sind das Fundament unserer Gemeinschaft. Gleichzeitig glaube ich, dass unsere Minderheit auch „reifen“ muss – im Sinne von: bewusster werden, klarer Prioritäten setzen und noch stärker aus einem echten Gefühl von Zusammenhalt heraus handeln. Entscheidend ist dabei ein starkes Wir-Gefühl und echte Zusammengehörigkeit im Alltag.

Und wir müssen sicherstellen, dass die Bedeutung der Minderheit auch in Zukunft selbstverständlich Teil der regionalen Entwicklung bleibt. Kurz gesagt: Zusammenhalt stärken – und gleichzeitig offen für Neues bleiben.

Sie haben einen 6-Punkte-Plan aufgestellt. Was ist dies für ein Plan? Was sagt er aus?

Die kommenden Jahre sind entscheidend. Unsere Minderheit wächst, verändert sich – und steht vor wichtigen Fragen: Was verbindet uns? Wie gelingt Beteiligung? Wie bleibt unsere Gemeinschaft lebendig?

Im Dezember habe ich einen 5-Punkte-Plan vorgestellt. Seitdem war ich in der gesamten Minderheit unterwegs, habe viele Gesprächegeführt und wertvolle Rückmeldungen erhalten. Daraus ist der fortgeschriebene 6-Punkte-Plan entstanden. Er soll Orientierung geben, Verlässlichkeit stärken und neue Energie freisetzen.

Der 6-Punkte-Plan verbindet sechs zentrale Handlungsfeldermit den drei Grundprinzipien Verlässlichkeit, Beteiligung und Verantwortung. Ersteht für Zusammenhalt nach innen und eine klare Positionierung nach außen.

Können Sie uns vielleicht Einzelheiten des Plans darstellen?

1. Bildung, die trägt – verlässlich und strategisch

Unsere Schulen und Kindergärten sind das Fundament der Minderheit. Sie sollen Familien Sicherheit geben und Perspektiven eröffnen. Dabei stehen Kinder und Mitarbeitende gleichermaßen im Mittelpunkt. Deshalb stärken wir Profile, schaffen verlässliche Rahmenbedingungen und entwickeln Standorte strategisch weiter. Haupt-und Ehrenamt arbeiten dabei eng zusammen.

2. Zusammenhalt, der spürbar ist – mit Haltung und Respekt

Gemeinschaft entsteht dort, wo Menschen sich begegnen, mitreden und sich einbringen. Deshalb stärken wir den Zusammenhalt durch offenen Dialog, neue Netzwerke und eine verlässliche Unterstützung des Ehrenamts. Unterschiedliche Meinungen gehören dazu und werden als Teil eines gemeinsamen Miteinanders verstanden. Im Zentrum steht ein tragfähiges Minderheiten-Wir, das verbindet und Vielfalt zusammenhält.

3. Identität, die verbindet – offen und klar zugleich

Die Minderheit ist offen und zugleich verbindlich. Offenheit braucht Orientierung und gemeinsame Bezugspunkte. Zugehörigkeit entsteht durch Sprache, Kultur, Engagement und Mitmachen im Alltag. Diese Balance wird klarer vermittelt. So entwickeln wir ein modernes Verständnis von Identität weiter und begleiten neue Mitglieder aktiver auf ihrem Weg in die Gemeinschaft.

4. Beteiligung, die möglich ist – einfach, zugänglich und wirksam

Beteiligung soll einfacher, zugänglicher und attraktiver werden. Niedrigschwellige Formate, klare Aufgaben, flexible Strukturen und eine bessere Vereinbarkeit mit Familie, Beruf und Ehrenamt sollen mehr Menschen für Verantwortung und aktives Einbringen in öffentliche Debatten gewinnen und Gleichstellung fördern. Das Hauptamt unterstützt, begleitet und entlastet dabei gezielt.

5. Sichtbarkeit, die wirkt – vor Ort und nach außen

Die Minderheit muss im Alltag sichtbar und in politischen Entscheidungen präsent sein. Deshalb stärken wir die Zusammenarbeit zwischen Organisationen, Ehrenamt und Politik und erhöhen unsere Relevanz in der Öffentlichkeit und in politischen Foren. Sichtbarkeit entsteht durch Verlässlichkeit, Verantwortung und Wirkung. Wir arbeiten an konkreten Verbesserungen für die Menschen vor Ort.

6. Verantwortung für Europa übernehmen – Impulse geben, Brücken bauen

Die Minderheit ist Teil des Grenzlandes und Europas. Ihre Erfahrungen im Minderheitenschutz und in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sind ein wertvoller Beitrag für Entwicklung, Austausch und Zusammenhalt. Sie sollen stärker eingebracht werden. Dafür werden Partnerschaften verlässlich ausgebaut

Im Mittelpunkt stehen starke Bildungseinrichtungen, mehr Beteiligung, eine konstruktive Zusammenarbeit innerhalb der Minderheit sowie eine selbstbewusste Interessenvertretung im Grenzland und in Europa. Die deutsche Minderheit soll auch künftig ein verlässlicher, sichtbarer und konstruktiver Partner sein – mit klarer Haltung, offenem Dialog und gemeinsamer Verantwortung.

Ein klares Fazit aus vielen Gesprächen: Neben den Themen wünschen sich viele vor allem ein respektvolles Miteinander – zwischen Haupt-und Ehrenamt, Institutionen und unterschiedlichen Meinungen. Deutlich wurde auch: Engagement braucht Rückhalt, verlässliche Rahmenbedingungen und gemeinsame Ziele. Nur so können wir Prioritäten setzen und unsere Kräfte bündeln.

Was ist Ihre Motivation und Ihr Ansporn für die neue Aufgabe als BDN-Vorsitzender?

Die deutsche Minderheit ist für mich Lebensweg und Verantwortung zugleich. Ich bin in ihren Einrichtungen aufgewachsen – und heute wachsen meine Kinder dort auf. Diese Verbindung prägt meinen Antrieb.

Ich möchte dazu beitragen, dass unsere Minderheit auch in Zukunft stark, verlässlich und offen bleibt. Entscheidend ist für mich, gemeinsam mehr zu erreichen – durch Zuhören, klare Ziele und Brücken zwischen Generationen, Ehrenamt und Hauptamt sowie Minderheit und Mehrheit.

Lieber Kleinschmidt, vielen Dank für das ausführliche Interview und den Einblick in ihre Vorstellungen für die Arbeit in und für die Deutsche Minderheit.

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