In diesem Jahr veröffentlicht die Stiftung Verbundenheit in ihren sozialen Medien einen Adventskalender, bei dem an jedem Tag des Advents eine deutsche Minderheit bzw. eine deutschsprachige Gemeinschaften in aller Welt kurz und knapp vorgestellt wird, die derzeit in der Förderung durch das Bundesministerium des Innern oder das Auswärtige Amt steht. Ziel ist es, nicht nur die deutsche Minderheit oder deutschsprachige Gemeinschaft vor Ort kurz vorzustellen, sondern auch das Wissen über ihre Existenz, ihre Tätigkeiten und Projekte zu vermitteln.
15 - Die Deutsche Minderheit in der Russischen Föderation
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In Russland leben etwa 450.000 Menschen deutscher Abstammung, hauptsächlich in Sibirien und im asiatischen Teil der Föderation. Diese geographische Verteilung ist eine Folge der Deportationen aus den ursprünglichen Siedlungsgebieten im europäischen Teil nach Sibirien und Zentralasien während des Zweiten Weltkriegs. Die Zahlenbasieren auf der Volkszählung von 2010 und wurden prozentual für das Jahr 2023 geschätzt. Eine aufgrund der Pandemie mehrfach verschobene Volkszählung wurde zwar 2021 durchgeführt, jedoch aufgrund mangelnder Erkenntnisse über die ethnische Zugehörigkeit nicht für die offizielle Zählung herangezogen. Die aktuelle politische Lage sowie der Angriffskrieg der Russischen Föderation in der Ukraine sind weitere Faktoren, die die Zahl der Angehörigen der deutschen Minderheit in der Gesamtbevölkerung Russlands beeinflussen.
Jährlich werden zahlreiche Projekte und Veranstaltungen für die deutsche Minderheit organisiert, darunter Sprachkurse sowie kulturelle und sportliche Großveranstaltungen, die Menschen aus ganz Russland zusammenbringen. Die „Moskauer Deutsche Zeitung“, die einzige landesweit erscheinende deutschsprachige Wochenzeitung, berichtet ebenfalls über diese Aktivitäten. Zudem arbeitet die deutsche Minderheit mit der evangelischen und römisch-katholischen Kirche zusammen und wird von russlanddeutschen Unternehmern unterstützt. Auf lokaler Ebene bestehen zudem Kooperationen mit Schulen und Heimatvereinen.
Die Selbstorganisation der Deutschen in der Russischen Föderation wird durch den Internationalen Verband der Deutschen Kultur (IVDK) repräsentiert, dem 59 russland-deutsche Organisationen und mehr als 564 Vereine angehören. Laut Schätzungen der Organisation profitieren etwa 600.000 Personen von den Aktivitäten der Vereine. Die Veranstaltungen finden auf lokaler Ebene in Begegnungszentren sowie in den Kultur- und Geschäftszentren der Deutschen in Russland statt. Größere Zentren bilden die Deutsch-Russischen Häuser, die als wichtige Begegnungsorte für die Deutschen in der Russischen Föderation dienen, da sie die Kapazitäten der kleineren Begegnungszentren bündeln.
Die deutsche Minderheit hat in der Russischen Föderation eine lange Geschichte und geht zurück auf das Manifest von Katharina der Großen (selbst eine gebürtige Deutsche) vor über 260 Jahren. Seitdem prägen sie zum großen Teil das gesellschaftliche und kulturelle Leben der Regionen mit, in denen sie beheimatet sind. Unter anderem unterhalten sie Schulen, die auch für die anderen Minderheiten und der Mehrheitsbevölkerung zugänglich sind. In Westsibirien existieren bis heute Deutsche Nationale Rajone wie der Deutsche Nationalrajon Asowo oder der Deutsche Nationalkreis Halbstadt. Die kulturellen und gesellschaftlich-traditionellen Veranstaltungen in den Regionen des großen Flächenlandes werden von den Bewohnern dieser Gegenden stark frequentiert und genießen ein großes Ansehen in der Bevölkerung.
Derzeit ist es schwierig, diese Veranstaltungen im gewohnten Maße durchzuführen, doch seitens der deutschen Minderheit bleibt nichts unversucht, ihren positiven Stellenwert in der Gesellschaft zu halten und auszubauen.





