Unlängst trat der „Fachbeirat Deutsche Sprache“ der Stiftung Verbundenheit zu einer Online-Sitzung zusammen. Im Mittelpunkt stand die Situation des Deutschen als Minderheiten- und Herkunftssprache, aktuelle Forschungsinitiativen sowie internationale Erfahrungsberichte aus Tschechien und Peru. Die Sitzung verdeutlichte: Die deutsche Sprache steht weltweit vor großen Herausforderungen – zugleich werden neue Ansätze benötigt, um sie gezielt zu fördern.

Ein zentrales Thema war die Lage der deutschen Minderheit in Tschechien. Mgr. Martin Herbert Dzingel, der Geschäftsführer der Landesversammlung der deutschen Vereine in der Tschechischen Republik e.V., berichtete über aktuelle Entwicklungen. Die Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg traf die Deutschen in Tschechien hart. Ca. 250.000 Menschen blieben zwar davon verschont und konnten im Land bleiben, der Anpassungsdruck war aber immens. Nach der politischen Wende setzte ein Umdenken ein. Heute existieren Schulen, Vereine und kulturelle Projekte, die zur Pflege der deutschen Sprache beitragen. Dennoch bleibt die Situation schwierig: Die Weitergabe des Deutschen innerhalb der Familien nimmt ab, ebenso der Gebrauch von Dialekten. Aus diesem Grund ist die Entscheidung der tschechischen Regierung, die Förderung der deutschen Minderheit auszubauen von großer Bedeutung. Seit 2023 gelten erweiterte Verpflichtungen aus der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen. Diese betreffen insbesondere Bildung, Kultur, Medien sowie soziale und rechtliche Bereiche. Allerdings befindet sich die praktische Umsetzung noch in einem frühen Stadium. Ein zentrales Problem bleibt der Mangel an qualifizierten Lehrkräften sowie an strukturierten Förderprogrammen. Die bestehenden Initiativen – etwa Vereine, Jugendprojekte oder Ferienlager – leisten wertvolle Arbeit, können aber keine flächendeckende systematische Wirkung entfalten.

Ein weiterer Schwerpunkt der Sitzung war das geplante Forschungsprojekt „Deutsch als Herkunfts- und Minderheitenmuttersprache im internationalen Raum“. Ziel ist es, erstmals systematisch zu erfassen, wo und unter welchen Bedingungen Deutsch weltweit gesprochen wird. Das Projekt soll nicht nur eine Bestandsaufnahme liefern, sondern auch Defizite in der Sprachförderung aufzeigen und Grundlage für eine strategische internationale Sprachpolitik schaffen. Geplant sei, wie das Prof. Dr. Gesine Schiewer, Dekanin der Fakultät IV Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Bayreuth, erläuterte, ein umfassendes Konzept, das politische Entscheidungsträger einbinde und internationale Kooperationen ermögliche. Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, die Bedeutung der deutschen Sprache global sichtbarer zu machen und ihre Förderung gezielter zu gestalten.

Ein eindrucksvoller Bericht kam über Pozuzo in Peru, einer Region mit deutscher und österreichischer Siedlungsgeschichte, worüber der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Verbundenheit, Dr. Marco Just Quiles, und Prof. Dr. Gesine Schiewer berichteten. Dort sind Nachfahren vonAuswanderern bestrebt, ihre sprachliche und kulturelle Identität zu bewahren.Die Region könnte – auch aufgrund ihres touristischen Potenzials – einwichtiger Ansatzpunkt für zukünftige Projekte sein. Voraussetzung ist jedocheine bessere Koordination zwischen Institutionen und Förderprogrammen.
Auch aus anderen Teilen der Welt wurden Entwicklungen eingebracht. In Namibia etwa wird Deutsch weiterhin als Fremdsprache stark nachgefragt, um die 10.000 Schüler nehmen am Unterricht teil, während die Zahl der Muttersprachler sinkt. In den USA sollen Forschungsinitiativen zur Situation der deutschen Sprachschulen (German Language Schools) starten und auch die jährliche Konferenz soll eine Förderung aus Bundesmitteln erhalten.
Zum Abschluss wurde deutlich: Die Herausforderungen für die deutsche Sprache sind global und vielschichtig. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, dass gezielte Forschung, politische Strategien und internationale Zusammenarbeit notwendig sind, um das Deutsche als Minderheiten-und Herkunftssprache langfristig zu sichern. Der Fachbeirat will diesen Prozess aktiv begleiten und mitgestalten.




