„In den Häusern der Anderen – Spuren deutscher Vergangenheit in Westpolen“, so lautet der Titel des Buches, das Karolina Kuszyk in Bayreuth im Lastenausgleichsarchiv im Rahmen einer kurzweiligen und sehr gut besuchten Lesung vorstellte.

Eingeladen hatten das Lastenausgleichsarchiv gemeinsam mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bayreuth (DPG Bayreuth). Als Vertreter der Stiftung Verbundenheit waren der Stiftungsratsvorsitzende Hartmut Koschyk und der Teamleiter für Mittel- und Osteuropa sowie Projektkoordinator für die Deutsche Minderheit in Polen, Dominik Duda, bei der Lesung zugegen.

Die Autorin Karolina Kuszyk, geboren 1977 in Liegnitz/Legnica in Niederschlesien, begibt sich in ihrem Buch auf Spurensuche an und in Gebäuden, Denkmälern, Straßen, in Friedhöfen und hinterlassenen Gebrauchsgegenständen des Alltags in den aus polnischer Sicht oftmals als „wiedergewonnene Gebiete“ und aus deutscher Sicht „ehemalige deutsche Ostgebiete“ genannten Landesteilen des heutigen Polens. Dieses ganze materielle Gut wurde am Ende des Zweiten Weltkrieges von Millionen Deutschen, die Flucht und Vertreibung erlebten und ihre Heimat verlassen mussten, zurückgelassen und von den aus dem ehemaligen Ostpolen „repatriierten“ Polen übernommen und weitergenutzt. Die damaligen Neuankömmlinge nutzten diese Hinterlassenschaften, die in Polen als „nachdeutsch“ oder „ehemals deutsch“ („poniemieckie“) bezeichnet werden, mit gemischten Gefühlen im Alltag weiter. Was dem einen der Verlust der Heimat war, war dem anderen der Neubeginn in der Fremde. Zwei Seiten einer Geschichte, die zeigt, wie Biografien und Identitätssuchen über Zeiträume, Landesgrenzen und Generationen hinweg bis heute miteinander verwoben sind, ohne die Schuldfrage in den Vordergrund zu stellen.

Im Gespräch mit Karolina Kuszyk konnten Hartmut Koschyk und Dominik Duda die Bedeutung der Schaffung des Bewusstseins für die deutsche Geschichte in den Heimatregionen zur Identitätsbildung thematisieren. Vor allen Dingen für die jungen Mitglieder der Deutschen Minderheit in Polen, die junge Generation der Nachkommen von Vertriebenen und Aussiedler in Deutschland sowie für alle Personen aus der polnischen oder auch deutschen Gesellschaft, die sich bisher nicht mit dem Themenkomplex von Flucht, Vertreibung und dem Kriegsfolgenschicksal von Millionen Menschen, Deutschen und Polen, auseinandergesetzt haben, ist das Buch Kuszyks eine Bereicherung und Empfehlung, da es durch seine Anknüpfungspunkte - Gegenstände und Geschichten aus dem Leben - das Große und Ganze beschreibt.







