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Datum
22.7.2026
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Karin Prien und die Jeckes

Sie ist eine Freundin des Jeckes-Projekts. Das hat Karin Prien sofort deutlich gemacht, als sie sich mit einer Delegation der Vereinigung der Israelis aus Mitteleuropa, der Vertretung der Juden mit deutschen Wurzeln  traf, die die Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland nach Berlin eingeladen hatte. „Melden Sie sich bei mir persönlich, wenn Sie ein Anliegen haben“, das war ihr Angebot. Seither besteht ein enger Kontakt zwischen der Bundesbildungsministerin und der Stiftung Verbundenheit mit dem Ziel, die Verbindungen zwischen den Israelis mit deutschen Wurzeln, den Jeckes, zu vertiefen. Schon im vergangenen Herbst hatte die Ministerin ein klares Signal gesendet, als sie für die Bundesregierung bei der Eröffnung des Jeckes-Museums in Haifa vor Ort ein Grußwort überbrachte.

Jetzt hat Karin Prien vor einem großen Publikum an einem sehr besonderen Ort erneut öffentlich gemacht, warum ihr diese Kontakte wichtig sind. Bei der jährlichen Erinnerung an die Widerständler rund um Oberst Graf Stauffenberg hielt sie für die Bundesregierung am 20. Juli im Berliner Bendler-Block die Gedenkrede, an der Stelle, an der Stauffenberg und drei weitere Mitstreiter noch in der Nacht nach dem gescheiterten Bombenanschlag gegen Hitler 1944 erschossen wurden. Bis in die junge Bundeswehr hinein gab es nicht wenige, die die Offiziere rund um Stauffenberg als „Volksverräter“ beschimpft haben. Schon ganz zu Beginn hatten dagegen Reformer um General Wolf Graf von Baudissin das Leitbild vom Staatsbürgerin Uniform entwickelt, der das Recht haben soll, menschenverachtende Befehle zu verweigern – eben Widerstand zu üben. Lange hatte man geglaubt, solches Erinnern sei 82 Jahre danach nur noch eine jährliche Pflichtübung. Aber es fand diesmal  vor dem Hintergrund der beunruhigenden Tatsache statt,  dass die Gesellschaft so zerrissen ist wie nie. Politisch motivierte Gewalt nimmt zu, am meisten, so die Sicherheitsbehörden, von rechts, aber auch im linken Lager. Und die Kriege in der Ukraine und noch schärfer im Nahen Osten befeuern die Konflikte auch bei uns. Antisemitismus, alteingesessen und neu importiert, wird bis tief in die Mitte der Gesellschaft (wieder) gesellschaftsfähig. So war es ein gutes Zeichen, dass die Bundesregierung zum diesjährigen Gedenktag  Bundesbildungsministerin Karin Prien als Hauptrednerin entsandt hat.

Sie hat jüdische Wurzeln, und es war ihr offensichtlich wichtig, das bei dieser Gelegenheit einzubringen. Sie ist in Amsterdam geboren, wohin ihre Großeltern in den 30ziger Jahren Zuflucht vor der Nazi-Verfolgung suchten. Eines von vielen Schicksalen deutscher Juden, von denen über 50 000  in dieser Zeit auch nach Palästina flohen, wo sie als die „Jeckes“ so viel zum Aufbau des Staates Israel beitrugen.  Holland, das sollte sich herausstellen, war nach dem deutschen Einmarsch kein sicheres Land mehr. Im Gegenteil, wie etwa auch das Schicksal von Anne Frank bitter zeigen sollte. Karin Prien berichtet ein bewegenden Worten von der Ermordung ihrer Urgroßmutter im KZ Sobibor, dem Tod weiterer Verwandter, von dem Großvater, der als Jude nur „mit sehr viel Glück“ überlebte. Sie brachte es auf den Punkt: „Der Bendlerblock ist ein Ort, an dem sich die Ambivalenz der deutschen Geschichte auf besondere Weise verdichtet. Ein Ort der Täter – und zugleich ein Ort des mutigen Widerstands.“ Aber, so machte sie klar: „Gerade angesichts der sicherheitspolitischen Herausforderungen unserer Zeit erhält seine Geschichte eine neue Aktualität. An nur wenigen Orten sind Geschichte und Gegenwart so unmittelbar miteinanderverwoben wie hier. Dieser Ort fordert jeden von uns heraus, sich zu fragen, welche Verantwortung wir heute tragen.“  Karin Priens Rede schlug die Brücke von 1944 in die Gegenwart. Sie zeigte, warum auch 82 Jahre danach die Frage nach der Berechtigung von Widerstand nicht ein für allemal beantwortet ist. Unsere Demokratie lebt, keine Frage, sie ist nicht mit der Hitler-Diktatur zu vergleichen. Aber zu vielen ist sie bestenfalls egal, viele stellen sie auf den Prüfstand, und nicht wenigen  ist sie lästig, sie sehnen sich nach dem starken Anführer, bis in die Bundeswehr hinein. Ministerin Prien gab ihnen im Bendlerblock dies mit auf den Weg: „Gerade darin liegt die Lehre aus dem Widerstand: Eine Demokratie bleibt nur dann stark, wenn genügend Menschenden Mut haben, sich einzubringen – lange bevor außergewöhnlicher Mut erforderlich wird. Wer in einer Diktatur Widerstand leistet, muss die Angstüberwinden. Unser Auftrag in einer freiheitlichen Demokratie ist ein anderer: dafür zu sorgen, dass wir nie wieder in eine Situation geraten, in der solcher Widerstand notwendig wird.“ Das war eine Botschaft, die gewiss auch von den zahlreichen Schülerinnen und Schülern gehört wurde, die zu der Gedenkstunde eingeladen waren. Dieses nachdrückliche Eintreten für die Demokratie wird auch von den Partnern der Stiftung Verbundenheit in Israel mit Nachdruck geteilt. Die Vereinigung der Israelis aus Mitteleuropa, dem deutschen Kulturraum, der sogenannten Irgun, setzt sich dafür seit rund 90 Jahren im Staat der Juden ein.

Eines der in Deutschland bekanntesten Mitglieder in der Irgun, der israelische Historiker Prof. Moshe Zimmermann, selber mit Hamburger Jeckes-Wurzeln, kommentierte: „Ein gute Rede!“

Die Stiftung Verbundenheit dankt Ministerin Prien dafür, diese Kooperation zu unterstützen. Das gemeinsame Ziel ist es, hier vor allem den Kontakt zu den jungen Menschen mit deutschen Wurzeln zu suchen. Karin Prien war bei der Gedenkstunde mit ihrer Nähe zur Stiftung Verbundenheit nicht allein. Das Parlament wurde durch Andrea Lindholz vertreten. Die Vizepräsidentin des deutschen Bundestages ist zugleich Kuratoriumsmitglied der Stiftung Verbundenheit.

 

 

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