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Datum
15.2.2026
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Ein Künstler im Dienste der Einheit Deutschlands und des deutschen Kulturerbes im Osten: Zum Gedenken an den Liedermacher Gerd Knesel

von Hartmut Koschyk

Am 16. Februar dieses Jahres könnte der Liedermacher Gerd Knesel seinen 80. Geburtstag feiern.

Er verstarb nach einem tapfer ertragenen Krebsleiden am 19. Mai 1992.

1946 in Geesthacht in Schleswig-Holstein geboren und 1992 dort verstorben, blickte er jedoch immer weit über seine Geburtsheimat hinaus und hatte das ganze Deutschland und Europa und dabei auch das gesamtdeutsche Kulturerbe im Blick.

„Meine Heimat ist Schleswig-Holstein und Deutschland mein Vaterland, doch hätte ich auch so gerne, meines Vaters Heimat gekannt“, so heißt es in einem seiner Lieder. Und dieser Satz wurde ihm zur künstlerischen Mission und Passion.

In einer Zeit, in der das Streben nach der Deutschen Einheit als „Lebenslüge“ verpönt wurde, brachte Gerd Knesel Lieder für ein geeintes Deutschland auf die Bühne und griff künstlerisch Themen auf, die damals politisch nicht hoch im Kurs standen, wie z. B. den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan, die sowjetischen GULAG-Straflager, das Unrecht in der SED-Diktatur, den Skandal um die „Neue Heimat“ oder gewaltsame Demonstrationen gegen die freiheitliche Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland. Das „ZDF-Magazin“ von Gerhard Löwenthal war nahezu die einzige Fernsehsendung, die ihm mit seinen politischen Liederbotschaften damals Raum bot.

Mit seinen Liedern in den 80er Jahren trat der Liedermacher Gerd Knesel für die deutsche Einheit ein

Für Gerd Knesel und seine Ehefrau sowie Managerin Doris war die deutsche Wiedervereinigung ein Geschenk des Himmels, aber die noch in ihrer angestammten Heimat verblieben Deutschen östlich von Oder und Neiße wollten beide tatkräftig dabei unterstützen, als deutsche Minderheit im demokratischen Polen endlich anerkannt zu werden.

Als Bundesvorsitzender der Schlesischen Jugend bat ich Gerd Knesel ein Liedprojekt mit der damals jungen Sängerin Sylvia Müller, heute die Künstlerin Ellen Spiegel, zu unterstützen, das die Lage der deutschen Aussiedler in Deutschland, aber auch das Schicksal der heimatverblieben Deutschen im Osten beleuchten sollte. Gerd Knesel arrangierte diese Lieder, produzierte Aufnahmen in seinem Musikstudio in Geesthacht und übernahm den Plattendruck.

Als mir als Generalsekretär des Bundes der Vertriebenen die Aufgabe gestellt war, die deutsche Minderheit in Polen beim Aufbau von Verbandsstrukturen zu unterstützen, begleiteten mich Gerd und Doris Knesel sehr oft nach Schlesien, wo Gerd vor tausenden von Zuhörern stimmungsvolle Konzerte gab, welche die Menschen oft zu Tränen rührten.

Bei einem dieser Konzerte in Krappitz/Krapkowice wollten polnische Nationalisten die Veranstaltung dadurch stören, in dem sie das antideutsche Kampflied „Rota“ anstimmten. Gerd Knesel löste die entstandene Spannung wunderbar auf, in dem er die polnische Nationalhymne anstimmte, die das Publikum sogleich mitsang, sodass das Konzert anschließend ungestört fortgesetzt werden konnte.

Neben seinem reichen politischen Liederschatz produzierte Gerd Knesel mit Unterstützung seiner Frau Doris zahlreiche traditionelle Volkslieder aus den Heimatgebieten der deutschen Vertriebenen und der heute dort noch lebenden deutschen Minderheiten. Er wollte dadurch auch an seinen Vater erinnern, der aus dem Raum Lodz/Łódź in Polen stammte.

Sein größter Auftritt in Schlesien war am  20.Juli 1990 die „Europa-Kundgebung“ mit dem zuvor stattfindenden Festgottesdienst im Eichendorff-Geburtsort Lubowitz bei Ratibor vor der Ruine des Eichendorff-Schlosses.

Gerd Knesel bei der „Europa-Kundgebung“ in Lubowitz am 20. Juli 1899 mit Bernd Posselt, Herbert Hupka, Otto von Habsburg, Hartmut Koschyk und Blasius Hanczuch

Hierzu hatten sich ca. 10.000 Angehörige der deutschen Minderheit eingefunden. Der Gottesdienst wurde von dem damaligen Abt des Benediktinerklosters Maria Laach Dr. Adalbert Kurzeja geleitet, der aus Ratibor stammte. Die Predigt hielt Pater Johannes Leppich, der ebenfalls in Ratibor geboren war und erstmals seit der Vertreibung wieder seines oberschlesische Heimat besuchte.

Gerd Knesel bei seinem legendären Auftritt vor der Ruine des Eichendorff-Schlosses in Lubowitz

Ehrengast bei der „Europa-Kundgebung“ war der damalige Europaabgeordnete Dr. Otto von Habsburg, der auch erstmals Schlesien besuchte. Seine damaligen Mitarbeiter Bernd Posselt und Knut Abraham begleiteten ihn, der Erste ist heute Sprecher der Sudetendeutschen, der Zweite Mitglied des Deutschen Bundestages und Polen-Beauftragter der Bundesregierung.

Auch der damalige Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien. Dr. Herbert Hupka, war in Lubowitz dabei, auch für ihn war es der erste Besuch in seiner Heimat seit der Vertreibung.

Gerd Knesel verstand es, mit seinen Liedern eine zauberhafte Stimmung desdemokratischen europäischen Aufbruchs, des Willens zur Verständigung und eines Zusammengehörigkeitsgefühls über Grenzen hinweg zu vermitteln, welche die tausenden Teilnehmer zutiefst bewegte.

Die Beilage zur damaligen Zeitung der Deutschen Minderheit in Polen, die „Oberschlesische Stimme“, berichtete über die „Europa-Kundgebung“ in Lubowitz

In der Zeit seiner schweren Krankheit stand ich mit Gerd Knesel und seiner Frau Doris in engen Kontakt. Als er wusste, dass es für ihn keine medizinische Rettung mehr gab, hatte er sich Gott ergeben in sein Schicksal gefügt. Nie werde ich vergessen, wie er mir kurz vor seinem Tod gesagt hat: „Ich weiß, dass ich zu Jesus Christus gehe, ich habe keine Angst vor dem Tod!“

Erinnern wir uns anlässlich seines  80.Geburtstages dankbar an Gerd Knesel, einem mutiger Streiter für Einigkeit und Recht und Freiheit für Deutschland und Europa!

Sehen Sie hier die Aufnahmen von der Europa-Kundgebung in Lubowitz am 20. Juli 1990:

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